
Wie viel Glamour verträgt weibliche Kompetenz?
Dieses Foto zeigt ziemlich genau, worum es geht: ein pinkfarbenes Abendkleid, nackte Schultern – und ein handbemaltes Schild mit einer Botschaft für Veränderung.
Model oder Aktivistin?
Glamour oder Haltung?
Frau oder Kompetenz?
Warum eigentlich immer dieses Oder?
2008 brachte meine sehr geschätzte Kollegin Marie-Theres Euler-Rolle in unserem gemeinsamen Format „Reden mit Charisma“ den sogenannten F-versus-K-Check ein:
Was sieht man zuerst – die Frau oder die Kompetenz?
Daraus entstand eine Leitfrage für den eigenen Stil: Was soll ein Mensch zuerst wahrnehmen, wenn ich einen Raum betrete?
Als positives Beispiel für „K“ galt damals Angela Merkel: geradlinig, nüchtern, konsequent. Nichts an ihrem Stil sollte von ihrer politischen Kompetenz ablenken.
Ich verstand die Logik. Heute stelle ich sie infrage.
Denn 18 Jahre später sind Frauen zwar präsenter – doch Sichtbarkeit ist noch lange keine Macht.
Der am 16. September veröffentlichte Global Gender Gap Report 2026 zeigt: Auf der Einstiegsebene beträgt der Frauenanteil weltweit 46 Prozent. In den C-Suites sind es nur noch 23 Prozent. Die Repräsentation halbiert sich auf dem Weg nach oben. Gleichzeitig stagniert die Einstellung von Frauen insgesamt und in höheren Führungspositionen seit 2022.
Frauen sind sichtbarer geworden. Ihr Zugang zu Entscheidungsmacht wächst jedoch nicht im gleichen Tempo.
Und noch immer bewegt sich ihr Auftreten in einem engen Korridor:
Wer sich nüchtern kleidet, gilt als kompetent – aber schnell als kühl.
Wer glamourös auftritt, wird gesehen – muss ihre Kompetenz jedoch erst beweisen.
Wer bestimmt handelt, ist schwierig.
Wer verbindlich auftritt, wird nicht unbedingt als führungsstark wahrgenommen.
Das Problem ist nicht, dass Frauen unterschiedliche Stile wählen. Das Problem beginnt dort, wo ihr Stil wie ein Beweismittel in einem Verfahren über ihre Kompetenz behandelt wird.
Genau deshalb widme ich dem Thema Stil in meinem neuen Buch „CHARISMA – Gestalte dein Leben. Verändere die Welt.“ ein eigenes Kapitel.
Nicht als Modeberatung. Und nicht als Anleitung zur perfekten Anpassung.
Stil ist die sichtbare Sprache unserer Identität. Charisma entsteht nicht, wenn wir eine Seite von uns so lange leiser drehen, bis sie niemanden mehr stört. Es entsteht, wenn Identität, Haltung und Erscheinung glaubwürdig zusammenfinden.
Die entscheidende Frage sollte deshalb nicht länger lauten:
Wie viel Glamour verträgt weibliche Kompetenz?
Sondern:
Wie lange leisten wir uns noch eine Kultur, in der Frauen glauben, zwischen beidem wählen zu müssen?
Am 26. September gibt es beim Vienna Climate Run einen ersten Sneak Peek in das neue Buch.


